Die Europäische Zentralbank hat am 29. Oktober die Zinsen nicht erhöht – viel gefehlt hat allerdings nicht. Der EZB-Rat beließ den Einlagesatz bei 2,50 %, den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %. Christine Lagarde sagte auf der Pressekonferenz, der Rat habe „darüber diskutiert, ob eine Zinserhöhung angemessen wäre“, bevor er sich einstimmig dafür entschied, weitere Daten abzuwarten. Fünf Tage später, am 4. November, veröffentlichte das spanische Amtsblatt den Oktober-Euribor: 3,239 %, eine Spur unter den 3,247 % vom September.
Für alle, die in Spanien ein Darlehen mit variablem Zins bedienen oder für einen Immobilienkauf eines aufnehmen möchten, sagen beide Zahlen dasselbe aus: Die Zinsen pausieren, sie drehen nicht. Im Folgenden: was die EZB beschlossen und gesagt hat, wie sich der Euribor durch das Jahr 2026 bewegt hat, was der Oktober-Index bei einer typischen Finanzierung zur jährlichen Zinsanpassung zusätzlich kostet – und worauf Sie achten sollten, wenn Sie vor der nächsten Entscheidung am 17. Dezember kaufen.
Was der Euribor ist: der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen. Der 12-Monats-Euribor ist der Referenzindex für nahezu jedes variable und gemischt verzinste Darlehen in Spanien. Ihr Zinssatz ergibt sich aus dem Euribor plus einem festen Aufschlag, der in Ihrer Urkunde steht; er wird ein- oder zweimal im Jahr anhand des offiziellen Monatsdurchschnitts der Banco de España neu berechnet.
Was die EZB am 29. Oktober beschlossen hat
Es war die erste Sitzung, seit die EZB die Zinsen in diesem Jahr zweimal angehoben hat: am 11. Juni von 2,00 % auf 2,25 % und am 10. September auf 2,50 %. In seiner Erklärung verwies der Rat auf die Energiepreise, die „weiter gestiegen sind und Aufwärtsrisiken für den Inflationsausblick bergen“. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 %. Die EZB hielt zudem fest, dass die Hypothekenzinsen im Euroraum im August auf 3,6 % gestiegen sind und die Nachfrage nach Immobiliendarlehen „angesichts der höheren Zinsen deutlich zurückgegangen ist“.
Zum Dezember äußerte sich Lagarde ungewöhnlich deutlich. Die nächste Sitzung bringt neue Projektionen der Fachleute, und „sofern es keine größere Entwicklung gibt, ist die Richtung für uns alle ziemlich klar“. Die Pause bedeute „nicht, dass wir nicht erhöhen werden“, fügte sie hinzu. Am selben Tag teilte die EZB mit, dass Lagarde ihr Amt als Präsidentin am 7. Februar 2027 und damit vor Ablauf ihrer Amtszeit niederlegen wird.
| EZB-Entscheidung | Einlagesatz | Gültig ab |
|---|---|---|
| Juni 2025 | 2,00 % | 11. Juni 2025 |
| 11. Juni 2026: erste Anhebung | 2,25 % | 17. Juni 2026 |
| 10. September 2026: zweite Anhebung | 2,50 % | 16. September 2026 |
| 29. Oktober 2026: keine Änderung | 2,50 % | unverändert |
| 17. Dezember 2026 | nächste Entscheidung | mit neuen Projektionen |
Was die Märkte erwarten: Nach der Sitzung preisten die Geldmärkte laut LSEG-Daten, über die CNBC berichtete, eine Wahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln für eine Anhebung auf 2,75 % im Dezember ein; andere Schätzungen liegen höher. Die Deutsche Bank rechnet mit „einer weiteren Anhebung auf 2,75 % im Dezember“ und danach mit dem Ende des Zyklus. Das sind Prognosen, keine Beschlüsse.
Der Euribor 2026: Pause auf hohem Niveau
Der Euribor läuft der EZB voraus, denn er spiegelt wider, welche Zinsen die Banken für die kommenden zwölf Monate erwarten. Im Frühjahr begann er zu steigen, im September sprang er nach der zweiten Anhebung nach oben, im Oktober hielt er sein Niveau. Die offiziellen Monatsdurchschnitte, wie sie die Banco de España im BOE veröffentlicht:
| Monat | 12-Monats-Euribor (Monatsdurchschnitt) |
|---|---|
| Oktober 2025 | 2,187 % |
| Juni 2026 | 2,798 % |
| Juli 2026 | 2,855 % |
| August 2026 | 2,954 % |
| September 2026 | 3,247 % |
| Oktober 2026 | 3,239 % |
Der Oktober bringt den ersten Rückgang nach drei Anstiegen in Folge – allerdings nur um 0,008 Punkte. Die Tageswerte zeichnen ein anderes Bild: Der Oktober schloss bei 3,306 %, am 3. November lag der Satz bei 3,317 % und damit über dem Oktober-Durchschnitt. Erhöht die EZB im Dezember, dürften die Indexstände für die Zinsanpassungen Anfang 2027 höher ausfallen als der soeben veröffentlichte.
Was der Oktober-Euribor bei der Zinsanpassung kostet
Variabel verzinste Darlehen werden in Spanien in der Regel einmal jährlich angepasst. Ein Darlehen, das zuletzt mit dem Index vom Oktober 2025 (2,187 %) angepasst wurde und nun den Index vom Oktober 2026 (3,239 %) erhält, trägt den vollen Anstieg von 1,052 Punkten. Die Tabelle zeigt die Wirkung bei zwei typischen Darlehen, gerechnet auf die Restschuld nach dem ersten Jahr.
| Darlehen | Monatsrate, Index Oktober 2025 | Monatsrate, Index Oktober 2026 | Differenz |
|---|---|---|---|
| 150.000 € über 30 Jahre, Euribor + 0,99 % | 646,81 € | 733,56 € | +86,75 € im Monat, rund 1.040 € im Jahr |
| 200.000 € über 25 Jahre, Euribor + 0,80 % | 947,07 € | 1.055,99 € | +108,92 € im Monat, rund 1.310 € im Jahr |
Wichtig: Gegenüber einer Anpassung auf Basis des September ändert der Oktober-Index praktisch nichts – bei diesen Darlehen weniger als ein Euro im Monat. Der eigentliche Anstieg ist der Sprung von gut einem Punkt binnen Jahresfrist. Welcher Monatsindex für Sie gilt, steht in Ihrer Hypothekenurkunde; meist ist es der Index, der ein bis zwei Monate vor dem Anpassungstermin veröffentlicht wurde. Der Oktoberwert betrifft daher vor allem Anpassungen im November und Dezember.
Was das für Ihren Immobilienkauf in Spanien bedeutet
1. Festzins und variabler Zins liegen inzwischen eng beieinander
Die jüngsten Zahlen des spanischen Statistikamts INE für August weisen für neue Wohnimmobiliendarlehen einen Durchschnittszins von 3,08 % aus: 3,16 % bei Festzins und 2,95 % bei variabler Verzinsung. Fast zwei von drei neuen Finanzierungen werden mit Festzins abgeschlossen. Bei einem Euribor über 3,2 % startet ein variables Darlehen mit einem Aufschlag von rund einem Punkt oberhalb der meisten Festzinsangebote, und mehrere Banken haben ihre Festzinsen im Oktober und November angehoben. Es geht also nicht mehr um den günstigeren Startzins, sondern um die Frage, ob Sie Planungssicherheit über die gesamte Laufzeit wollen.
2. Nichtresidenten erhalten eine geringere Finanzierung und sollten mit höheren Zinsen rechnen
Spanische Banken finanzieren Nichtresidenten üblicherweise 60 % bis 70 % des Kaufpreises oder des Schätzwerts – je nachdem, welcher Wert niedriger ist –, und die Laufzeiten sind oft kürzer als bei Residenten. Steuern und Nebenkosten von etwa 10 % bis 15 % des Kaufpreises kommen hinzu und müssen aus Eigenmitteln bezahlt werden. Unser Leitfaden zur Immobilienfinanzierung in Spanien für Ausländer erläutert Unterlagen, Grenzen und Ablauf. Wie sich ein anderer Zinssatz oder ein anderer Eigenkapitaleinsatz auf die Monatsrate auswirkt, zeigt Ihnen der Hypothekenrechner.
3. Rechnen Sie die Rate vor der Unterschrift mit einem höheren Zins durch
Wenn Sie sich für ein variables oder gemischt verzinstes Darlehen entscheiden, prüfen Sie die Rate mit einem Zins, der einen halben bis einen ganzen Punkt über dem heutigen liegt. Bei einem Darlehen von 200.000 € über 25 Jahre kostet jeder weitere halbe Punkt rund 56 € im Monat. Passt dieser Betrag bequem in Ihr Budget, ändert auch eine weitere Anhebung im Dezember nichts an Ihren Plänen.
4. Weniger Käufe, höhere Preise
Die höheren Finanzierungskosten haben die Zahl der Verkäufe stärker gebremst als die Preise. Die Daten der Notare für das erste Halbjahr 2026 zeigen 62.327 Käufe durch ausländische Erwerber in Spanien, 13 % weniger als ein Jahr zuvor, während der von ihnen gezahlte Durchschnittspreis um 9,4 % auf 2.644 € pro Quadratmeter stieg. Viele internationale Käufer an der Costa Blanca und der Costa del Sol zahlen bar oder nehmen nur ein kleines Darlehen auf; eine Zinsentscheidung verändert ihr Budget daher weniger stark als die Rate eines Käufers, der den Großteil des Kaufpreises finanziert.
Ausblick: noch ein Schritt im Dezember, dann eine lange Pause
Die EZB hat deutlich gemacht, dass am 17. Dezember eine dritte Anhebung wahrscheinlich ist, sofern sich die Daten nicht ändern; die meisten Prognosen sehen 2,75 % als Höchststand. Für Darlehensnehmer heißt das: Der Euribor dürfte bis ins Jahr 2027 über 3 % bleiben, statt in die Spanne von 2 % bis 2,5 % des Vorjahres zurückzukehren. Für Käufer lautet die praktische Schlussfolgerung, mit den heutigen oder leicht höheren Zinsen zu kalkulieren und die Darlehensform nach der gewünschten Sicherheit zu wählen – nicht nach einem Bruchteil eines Punktes zu Beginn. Nach der Dezember-Entscheidung aktualisieren wir diesen Beitrag.
Quellen: Europäische Zentralbank, geldpolitische Beschlüsse und Pressekonferenz vom 29. Oktober 2026; Banco de España, offizielle Referenzindizes, veröffentlicht im BOE (4. November 2026 und Vormonate); INE, Hypothekenstatistik für August 2026; Consejo General del Notariado, erstes Halbjahr 2026.



