Im zweiten Quartal 2026 wurden in Spanien weniger Wohnungen und Häuser verkauft als in jedem der sieben Quartale davor — und ausländische Käufer sicherten sich einen Rekordanteil am verbleibenden Volumen. Die spanischen Grundbuchregister (Colegio de Registradores) zählten 167.934 Transaktionen, 5,7 % weniger als im ersten Quartal; es war der zweite Rückgang in Folge. Auf ausländische Käufer entfielen 15,98 % — der höchste Wert der gesamten Zeitreihe. In der Provinz Alicante liegt der Anteil bei 46,43 % — mit deutlichem Abstand der höchste Wert in Spanien.
Das Quartal in Zahlen
Alle Angaben stammen aus der Estadística Registral Inmobiliaria des Colegio de Registradores für das zweite Quartal 2026, die im August veröffentlicht wurde:
| Kennzahl | 2. Quartal 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Verkäufe, Spanien gesamt | 167.934 | −5,7 % gegenüber 1. Quartal |
| Durchschnittspreis | 2.487 €/m² | +2,4 % zum Vorquartal · +9,2 % zum Vorjahr |
| Ausländeranteil | 15,98 % | +1,88 Prozentpunkte zum Vorjahr — Rekord |
| Käufe durch Ausländer | mehr als 26.800 | +11 % zum Vorjahr |
| Provinz Alicante | 5.710 Käufe · 46,43 % | +3,13 Prozentpunkte zum Vorjahr |
| Provinz Málaga | 3.474 Käufe · 37,01 % | +20,79 % mehr Käufe |
Zwei dieser Zeilen zeigen in entgegengesetzte Richtungen — genau darin liegt die eigentliche Nachricht des Quartals. Der Markt schrumpfte. Die internationale Nachfrage innerhalb dieses Marktes wuchs — anteilig wie absolut.
Warum die beiden Hälften auseinanderlaufen
Sinkende Verkaufszahlen bei steigenden Preisen sind das Bild eines Angebotsengpasses, nicht einer wegbrechenden Nachfrage. Im selben Quartal, in dem die Verkäufe auf den tiefsten Stand seit sieben Quartalen fielen, erreichte der durchschnittliche Quadratmeterpreis einen historischen Höchststand. Zögen sich Käufer zurück, würden beide Kurven gemeinsam fallen.
Was die beiden Käufergruppen trennt, ist die Abhängigkeit von den spanischen Finanzierungskosten. Der 12-Monats-Euribor schloss den Juli bei 2,855 %, der vorläufige August-Durchschnitt liegt bei 2,949 %; am 21. August schloss der Tageswert bei 3,003 % — der erste Stand über 3 % seit September 2024. Ein spanischer Haushalt, der 80 % des Kaufpreises finanziert, spürt jeden Basispunkt davon. Ein ausländischer Käufer, der bar bezahlt oder 60–70 % auf Basis eines im Ausland erzielten Einkommens finanziert, spürt davon deutlich weniger.
Das Ergebnis ist ein Markt, dessen inländische Hälfte unter den Zinsen dünner wird, während die internationale weiter kauft — und damit Quartal für Quartal einen wachsenden Anteil an einem schrumpfenden Markt auf sich vereint.
Alicante: 46,43 % — und was dahintersteckt
Alicante führt diese Statistik seit Jahren an, bemerkenswert ist aber das Tempo des Anstiegs. Im Gesamtjahr 2025 verzeichnete die Provinz 23.112 internationale Käufe — 43,29 % aller Transaktionen in der Provinz. Allein im zweiten Quartal 2026 waren es 5.710 — der Anteil liegt jetzt bei 46,43 %, ein Plus von 3,13 Prozentpunkten binnen eines Jahres.
Málaga, die nächstgrößere Vergleichsprovinz, kommt auf 37,01 %. Das Kaufvolumen wuchs dort schneller (+20,79 %), ging aber von einem niedrigeren Niveau aus und liegt beim Anteil weiterhin neun Prozentpunkte zurück.
Konkret heißt ein Anteil von 46,43 %: Bei einer Besichtigung an der Costa Blanca ist der Interessent neben Ihnen in etwa jedem zweiten Fall ebenfalls Ausländer. Das hat zwei Seiten. Einerseits müssen Sie hier nichts erklären — Makler, Anwälte und Banken an dieser Küste sind auf internationale Käufer eingerichtet. Andererseits konkurrieren Sie um gut gelegene Küstenobjekte zu marktgerechten Preisen nicht mit der einheimischen Nachfrage, die sich zurückzieht, sondern mit anderen ausländischen Käufern, die das nicht tun.
Verschiebung der Nationalitäten: die Niederländer holen zu Deutschland auf
Hinter dem Gesamtanteil verschiebt sich die Zusammensetzung schneller als die Gesamtzahl. 2025 wuchsen die Niederlande unter den großen Herkunftsländern am schnellsten: 6.153 Zweitwohnsitzkäufe, ein Plus von 23,7 % gegenüber 2024 — und nur noch rund 200 Transaktionen hinter Deutschland. Großbritannien liegt weiter vorn, wie seit Jahrzehnten, doch der Abstand zwischen Platz zwei und drei ist praktisch verschwunden.
Das deckt sich mit unserer Praxis. Niederländische Anfragen konzentrieren sich auf den Norden der Costa Blanca — Jávea, Denia, Moraira — und zielen zunehmend auf ganzjähriges Wohnen statt auf die Sommerwohnung. Erkennbar an den Fragen: Schulen, Anmeldung im Gesundheitssystem, Winterklima, Flugverbindungen im Januar statt im Juli.
Welche Zahl Sie gerade lesen
Der Ausländeranteil am spanischen Markt wird in derselben Woche mal mit 15,98 %, mal mit 19–20 % angegeben. Beides kann stimmen. Die Registradores zählen den Vorgang bei der Eintragung ins Grundbuch, die Notare bei der Beurkundung — anderer Zeitpunkt, leicht andere Grundgesamtheit. Die beiden Zeitreihen liegen seit jeher mehrere Prozentpunkte auseinander.
Entscheidend ist nicht, sich die schmeichelhaftere Zahl auszusuchen, sondern beim Vergleich über Zeiträume oder Provinzen durchgehend dieselbe Zeitreihe zu verwenden. Alles in diesem Artikel und in unserer Marktübersicht 2026 stützt sich deshalb auf die Daten der Registradores.
Wo die Aussagekraft endet: Ein Rekordanteil ausländischer Käufer ist ein Nachfragesignal, keine Bewertung. Er sagt, wer kauft — nicht, dass eine bestimmte Immobilie ihren Preis wert ist. Die 46,43 % in Alicante sind über ein Jahrzehnt hinweg gewachsen: ein Strukturmerkmal dieser Küste, kein Ausschlag, auf den man spekuliert. Und eine Statistik auf Grundbuchbasis hinkt dem Markt Wochen bis Monate hinterher; sie beschreibt das abgeschlossene Quartal, nicht das, in dem Sie kaufen.
Was das bedeutet, wenn Sie kaufen
1. Warten bringt keine günstigere Finanzierung mehr
Der Zinszyklus hat gedreht. Der Euribor steigt seit mehreren Monaten und schloss erstmals seit knapp zwei Jahren über 3 %. Wer auf „im Frühjahr wird es billiger“ gesetzt hat, braucht eine andere Grundlage — was spanische Banken Nicht-Residenten derzeit anbieten, steht in unserem Finanzierungsratgeber für ausländische Käufer.
2. Weniger Verkäufe bedeuten nicht mehr Verhandlungsspielraum
Ein Rückgang um 5,7 % klingt nach Käufermarkt. An dieser Küste misst er vor allem, wie wenig zu erschwinglichen Preisen übrig ist — der Quadratmeterpreis erreicht im selben Quartal einen Rekord. Nachlässe gibt es bei einzelnen Objekten, die von Anfang an zu teuer angesetzt waren oder zu lange am Markt sind, nicht auf breiter Front.
3. Ihre Konkurrenz ist international — und sie wächst
In Alicante geht fast jeder zweite Kauf auf einen ausländischen Käufer. Gut gelegene Objekte zwischen 200.000 und 400.000 € sind rasch vergriffen, weil Käufer aus mehreren Ländern gleichzeitig darum konkurrieren — nicht, weil Makler das behaupten.
4. Als ausländischer Käufer sind Sie hier der Normalfall
Bei 46,43 % ist der gesamte Ablauf darauf ausgelegt: Kauf aus der Ferne per Vollmacht, die NIE-Nummer wird parallel beantragt, Nicht-Residenten-Finanzierung als Standardprodukt. Das ist ein echter praktischer Vorteil gegenüber Regionen im Landesinneren, wo der Kauf durch ausländische Käufer die Ausnahme ist.
Das Fazit
Die Zahlen des zweiten Quartals beschreiben keinen abkühlenden, sondern einen enger werdenden Markt: weniger Objekte wechseln den Besitzer, zu Rekordpreisen je Quadratmeter, und ein wachsender Teil davon geht an Käufer aus dem Ausland. Die einheimische Nachfrage wird von den Finanzierungskosten verdrängt; die internationale nicht — an der Costa Blanca entfällt auf sie inzwischen fast die Hälfte aller Verkäufe.
Wer hier einen Kauf erwägt, sollte nicht auf die 15,98 % der Schlagzeile schauen. Sie liegt darin, dass die beiden Faktoren, die einem Käufer sonst Verhandlungsmacht geben — sinkende Transaktionszahlen und steigende Zinsen —, an dieser Küste keine erzeugen, weil sie nicht auf den Käufer drücken, mit dem Sie konkurrieren.
Unser aktuelles Angebot finden Sie in unserem Katalog; Wohnungen an der Costa Blanca und Neubauprojekte halten wir mit den Preisen der jeweiligen Bauphase aktuell. Den vollständigen Überblick nach Regionen gibt unsere Marktprognose Spanien 2026.



